Experten beurteilen Rothirsch-Bestand

WALDDREHNA Immer wieder treffen in Walddrehna Jäger, Stangensammler und Naturfreunde ein. Im Gepäck haben sie teilweise mehr als zehn Jahre alte Geweihteile der Rothirsche aus Heideblick, Luckau, Elbe-Elster, Herzberg und Dahme.

Der Rotwild-Fachmann Willi Schmidt zeigt den Jägern und Naturfreunden eine Rothirsch-Stange. Sie wurde bei bei Riedebeck gefunden.
Foto: Henry Blumroth/blu1

Mehr als 40 Abwurfstangen werden sind am gestrigen Sonntag an der Mehrzweckanlage des Lausitzer Jagdgebrauchshundevereins begutachtet worden. Sie geben Aufschluss über den aktuellen Wildbestand in der Hegegemeinschaft Hohenbucko-Rochauer Heide.

„Die Stangen sprechen für eine gute Qualität unseres Wildbestandes“, sagt Frank Mittag, Vorsitzender der Hegegemeinschaft, nach einem genauen Blick auf die ausgestellten Exemplare.

Gute Tiere laufen lassen

Willi Schmidt, Experte für Rotwild in der Hegegemeinschaft, nutzt die Stangenschau nicht nur zur reinen Erklärung der einzelnen Kopfstücke. Anhand der Geweihe und der Anzahl der Enden schult der Fachmann die Jäger über den Zustand eines Hirsches sowie sein Alter. „Daran sieht ein Jäger nach einem Blick durch das Fernglas, ob er sein Gewehr in die Hand nehmen darf oder nicht“, sagt Frank Mittag. „Gute Hirsche sollen laufen und sich vermehren, bis sie mit etwa 12 Jahren abgeschossen werden dürfen“, erklärt er.

Wolfgang Laurisch aus Tanneberg bei Finsterwalde habe selbst noch keine Stange gefunden. Der Waldbesitzer interessiere sich aber seit vielen Jahren für die Entwicklung des Wildbestandes. Frank Mittag zeigt dem Tanneberger einen seiner Funde, entdeckt vor fünf Jahren bei Gehren. In fast identischer Struktur hält er eine in diesem Jahr bei Gehren gefundene Stange daneben. „Daran sieht man die fast identische Vererbung der Tiere“, sagt der Vorsitzende. Der Vaterhirsch sei inzwischen zehn Jahre, sein Sohn vier Jahre alt, erklärt er anhand der aufgefundenen Geweihenden.

Während sich Jäger und Waldbesitzer unterhalten, fährt der Friedersdorfer Roland Miersch mit seinem Transporter vor. Im Gepäck hat der Stangensammler eine fast lückenlose Serie von nur einem Tier im Zeitraum von 2003 bis 2010. Mehr werde er von dem mehr als 200 Kilogramm schweren Hirsch aber nicht finden. „Das Tier wurde im vergangenen Oktober bei Proßmarke gestreckt“, erklärt er fachmännisch.

Bestand ist stabil

Die Zahl der Rotwild-Tiere in dem 54 000 Hektar großen Areal der Hegegemeinschaft sei stabil, erklärt Frank Mittag. Zwischen 800 und 1000 Tiere würden derzeit auf der Fläche leben, jährlich zwischen 200 und 400 von ihnen gestreckt. Die zielorientierte Jagd, bei der seit dem Sommer des vergangenen Jahres die meisten bislang gültigen Jagd- und Schonzeiten außer Kraft gesetzt wurden, habe bisher keine Auswirkungen auf die Abschüsse des Rotwildes gezeigt.

Zum Thema:

Die Rothirsche werfen ihre Stangen jährlich in der Zeit zwischen Februar und März ab. Nach einem Fund müssen die Geweihe beim zuständigen Jagdpächter abgegeben werden, um sie in den Bestand aufzunehmen. „Nach der traditionellen Schau der Hegegemeinschaft können die Leute die Stangen dann behalten“, sagt Frank Mittag. Seit zehn Jahren werden die Stangen von den Jägern, Sammlern und Naturfreunden im Rahmen der Abwurfstangenschau in Walddrehna gezeigt.

Von: Henry Blumroth
Aus: Lausitzer Rundschau vom 16.05.2011