Trophäenschau in Gehren: Fachsimpeln ausdrücklich erwünscht
GEHREN Die diesjährige Trophäenschau der Hegegemeinschaft Hohenbucko-Rochauer Heide hat sich wieder einmal als Publikumsmagnet erwiesen. In der Gaststätte „Zum Lindenkrug“ waren die mehr als 100 schönsten Trophäen von Rot-, Muffel-, Schwarz- und Rehwild dicht umlagert.
Eng wurde es für die Besucher und Gäste, die in Gehren die schönsten Trophäen der Hegegemeinschaft betrachten wollten.
Foto: Gabriele Bernhardt
Nicht nur Jäger kamen zum Fachsimpeln.
„Ein schönes Stück“, sagte Helfried Körner aus Schilda anerkennend. Neid kam bei dem passionierten Jäger auf. So etwas hatte er noch nie vor seiner Flinte. „Der Hirsch war mindestens zwölf Jahre alt“, erklärte Willi Schmidt aus Hohenbucko. Der 73-Jährige gilt in der Hegegemeinschaft als der Fachmann für Rotwild. Die größte Trophäe, die von Fachleuten und Besuchern begutachtet wird, ist enorm. Zwei- bis drei dieser kapitalen Tiere habe er bereits erlegt, sagte Schmidt. „Manche streckt man beim ersten Mal, anderen läuft man drei Jahre hinterher.“ Gesunde Hirsche müssen mindestens zwölf Jahre als sein, ehe sie geschossen werden dürfen, erklärte er. „Wir sind vor allem für die Hege zuständig“, sagte er zu einem Gast. Das heißt, dass kranke und gefährdete Tiere aus dem Bestand genommen werden. Er selbst gehe täglich in den Wald, aber in sechs von sieben Fällen ohne Waffe – als Begutachter oder Führer von Besuchergruppen. Sein letztes Exemplar war im Februar ein Wildschaf. „Das konnte sich kaum noch auf den Beinen halten.“ Schmidt hat das Tier sozusagen erlöst.
Weniger Wild erlegt
Wie Frank Mittag informierte, seien die Abschusszahlen im Hegegebiet weiter rückläufig. „187 Stück Muffelwild stehen 290 Tiere im Jahr 2009 gegenüber“, so der Chef der Hegegemeinschaft. Auch die Zahl des erlegten Rotwildes mit 339 sei deutlich geringer als im Vorjahr mit 442. „Der Grund dafür sind die Wölfe“, sagt er. Fünf würden im Einzugsgebiet der Hegegemeinschaft leben – sehr zum Ärger der Jäger. „Wir haben hier nicht die Weiten Sibiriens, sondern eine seit Jahrhunderten vom Menschen geschaffene Kulturlandschaft“, so seine Begründung. Da habe der Wolf nichts verloren. Er könne nachvollziehen, dass Tierhalter gegen den Wolf Sturm laufen. „Wir verlangen, dass er ins Jagdgesetz aufgenommen und zu einer bestimmten Zeit auch zu jagen ist.“
Mit vielen Besuchern kam Mittag ins Gespräch und machte auch kein Hehl daraus, dass die Hegegemeinschaft die zielorientierte Jagd ablehnt. Die Oberförsterei Luckau hatte im August 2010 auf der 2300 Hektar großen Fläche des Landeswaldes mit dem Modellversuch begonnen, bei dem die Jagd verkürzt und somit effektiver wird. Demnach darf zwischen dem 1. April und 15. Juni sowie zwischen dem 16. August und 15. Januar gejagt werden. Hintergrund ist, durch effektivere Bestandspflege junge Bäume vor großen Verbissschäden zu schützen.
Tiere vom Winter geschwächt
Für Mittag ist der Jagdbeginn zu früh. „Wir lehnen ihn aus ethischen Gründen ab. Das Wild ist vom Winter noch geschwächt oder auch tragend. Wir wollen Wald und Wild, die Luckauer nur Wald. Das ist nicht unsere Auffassung“, erklärte er.
Zum Thema
Die Hegegemeinschaft Hohenbucko-Rochauer Heide umfasst eine Fläche von 55.000 Hektar. In der Nord-Süd-Ausdehnung liegt sie zwischen Dahme und Sonnewalde und in Ost-West-Ausdehnung zwischen Luckau und Herzberg in den Landkreisen Elbe-Elster, Teltow-Fläming und Dahme-Spreewald. Kerngebiet ist die Rochauer Heide Größe mit einer Größe von etwa 26.000 Hektar.
Von: gb
Aus: Lausitzer Rundschau vom 16.03.2011


