Nicht ohne ihre Tiere
FREILEBEN Zwischen 5 und 6 Uhr steht Gisela Polz täglich auf. Die Mitbewohner, drinnen und draußen, warten um diese Zeit schon auf ihren Guten-Morgen-Gruß.
Gisela Polz mit ihren Begleitern: Elfe, die Hündin, die beiden Wildschweine und zwei Mufflons.
Foto: gzn
Das kann ein sanfter Stupps auf die Nase ebenso sein wie ein genüssliches Halskraulen.
Die 60-Jährige und ihr Mann Werner leben im Freilebener Lärcheneck in einer tierisch wilden Wohngemeinschaft. Wer sie besucht, der kommt oft extra deswegen in das kleine Walddorf. In der Voliere neben dem Wintergarten-Gastraum wohnen die Papageien Riko und Rika, auf der anderen Seite hat sich Herr Schmidt, das Eichhörnchen, eingekuschelt. Das Jungtier wurde von seiner Mutter aus dem Kobel geworfen. Seit Februar gehören Murkel und Hutzel, zwei Wildschweine, zur Wohngemeinschaft. Sie wurden in der Försterei Görnewitz und bei Oppelhain als Frischlinge gefunden. »Murkel war erst wenige Stunden alt. Wir haben ihn in ein Badetuch gewickelt und ins Bett gelegt«, berichtet Gisela Polz. Nach viel Zuwendung und einem Spezialtrunk - warme Milch mit Eigelb - entschied er sich, am Leben zu bleiben.
Max und Moni, zwei Muffel, wurden als frisch geborene Lämmer mutterseelenallein im Wald nahe Waidmannsruh gefunden. »Erst kam Max und 14 Tage später das Schaf-Lamm. Ich war froh darüber, weil sich Muffel zu besser aufziehen lassen. Eine Ziege unseres Tierarztes Dr. Krause übernahm die Mutterrolle und kam mit den Lämmern und den Frischlingen gut zurecht.« Das ist schon ein Wunder, denn im Wald sind Wildschwein und Muffel keineswegs miteinander »grün«.
Gisela Polz schmunzelt: »Viele Leute trauen ihren Augen kaum, wenn wir alle gemeinsam - Wildschweine, Muffel und Hunde - die Dorfstraße hin zum Wald spazieren." Die leidenschaftliche Jägerin hat ihr Leben lang im Forst gearbeitet. Der Ehemann war viele Jahre Leiter des Wildforschungsgebietes Hohenbucko. Seit einem Schlaganfall kann er seine Frau nicht mehr unterstützen, doch freut er sich über das tierisch vergnügte Leben am Haus. Auf dem Grundstück wohnen auch der achtjährige Hirsch Rassel, die Rehe Felix und Putzel, zwei Waschbären, Eichelhäher, Marderhund und Marder sowie fünf Hunde.
Außerdem kümmert sich Gisela Polz um die elf Wildschweine des Schwarzwildgatters in Hohenbucko, das der Jagdhundausbildung dient. Und wann immer das Telefon klingelt und ihr von einem verunfallten Wildtier berichtet wird, übernimmt sie die waidmännischen Pflichten. Auch über Weihnachten. »Viele Menschen glauben, Jäger schießen die Tiere nur tot. Das stimmt nicht. Die Jagd setzt Hege voraus und bewahrt damit Menschen vor Schaden«, sagt sie.
Die Enkel Joshua (5) und Magnus (3) sind gern mit Oma und den Tieren unterwegs. Geschichten des Waldes erzählt sie aber nicht nur ihren Enkeln. Große und kleine Menschen haben von ihr viel über die heimatliche Natur gelernt.
Von: gzn
Aus: Lausitzer Rundschau vom 27.12.2010


