Jäger fordern Ende des Wildprojekts
LUCKAU Die Jäger der Region laufen Sturm. Auf einer Diskussionsveranstaltung am Dienstagabend in Langengrassau, zu der der Jagdverband Luckau eingeladen hatte, forderten die Weidmänner die Einstellung des umstrittenen Wildprojekts in der Rochauer Heide.
Die Oberförsterei Luckau hatte im August auf der 2300 Hektar großen Fläche des Landeswaldes mit dem Versuchs-Modell »Zielorientierte Jagd« begonnen, bei dem unter anderem nur noch zwischen dem 1. April und 15. Juni sowie zwischen dem 16. August und 15. Januar gejagt werden darf. Ziel ist es, jungen Bäumen größeren Schutz vor Verbiss-Schäden zu geben.
Die Jäger wollen diesen »starken Eingriff in die Natur«, wie sie sagen, nicht hinnehmen und befürchten gravierende Auswirkungen auf die gesamte Region. »Das Projekt muss sofort gestoppt werden«, forderte Frank Mittag, Vorsitzender der Hegegemeinschaft Hohenbucko-Rochauer Heide, die ein Zusammenschluss von 70 Revieren der rund 54 000 Hektar großen Fläche ist. Mittendrin befindet sich das Gebiet der Oberförsterei Luckau. Größter Kritikpunkt ist der frühe Jagdbeginn am 1. April. Dann sei das Wild noch stark vom Winter geschwächt, die Weibchen zudem tragend. Auch erfahrene Jäger könnten eine schwangere Hirschkuh, die zum ersten Mal trägt, nicht immer mit Sicherheit von kräftigeren Artgenossen unterscheiden, warnte Wolfram Schwarzer vom Jagdverband Luckau. »Fehlinterpretationen sind vorprogrammiert.«
Unterstützung bekam die Jägerschaft von drei Abgeordneten des brandenburgischen Landtages. »Die Vorverlegung der Jagdzeiten ist ein Irrsinn«, sagte Gregor Beyer (FDP). Auch Sylvia Lehmann (SPD) und Rainer Genilke (CDU) äußerten sich besorgt und sicherten eine Untersuchung des Projektes zu.
»Der frühe Jagdbeginn ist gegen die Prinzipien des Tierschutzes«, sagte Jägerin und Landwirtin Karin Thomas. »Die Familienrudel werden dadurch stark beunruhigt.« Sie fühle sich ohnmächtig und könne nicht verstehen, dass sich eine kleine Gruppe von Förstern gegen den gesamten Widerstand der Jägerschaft und gegen bewährte Jahrhunderte lange Erfahrungen durchsetzen wolle.
Von: Lars Hartfelder/lrs1
Aus: Lausitzer Rundschau vom 21.10.2010


