Ziel: anständiger, verantwortungsvoller Umgang mit dem Thema Natur

REGION Auch wenn angesichts steigender Temperaturen und weggetauter Schneeberge der Winter nicht mehr so gegenwärtig ist, diskutiert die Jägerschaft weiter, ob eine Notzeit angebracht gewesen wäre oder nicht. Dass man darüber nicht nur in Elbe-Elster spricht, sondern auch im Nachbarkreis Dahme-Spreewald, beweist die Empörung der dortigen Jäger, die sie während der zurückliegenden Jahreshauptversammlung des Jagdverbandes in Rüdingsdorf zum Ausdruck gebracht haben.

Doch zurück zur "eigenen" Debatte. Sie wird unter anderem während der gegenwärtigen Hegewoche der Hegegemeinschaft "Hohenbucko - Rochauer Heide" fortgesetzt, hat Ebbo Hahlweg, in der Hegegemeinschaft Verantwortlicher für die Wildbewirtschaftung, angekündigt und im Gespräch erklärt, warum.

Ist das Thema Notzeit aus purem Zufall oder aus aktuellem Anlass auf die Tagesordnung gesetzt worden?

Natürlich deshalb, weil es in den vergangenen Wochen sehr kontrovers diskutiert wurde. In der Jägerschaft gibt es offensichtlich zwei Lager, das eine dafür, das andere dagegen. Das haben ja auch die Wortmeldungen in der RUNDSCHAU widerspiegelt. Ich habe mit vielen Menschen darüber gesprochen, Jägern und Nichtjägern. Besonders in der Landbevölkerung wird dieses Thema sehr intensiv verfolgt.
Allgemeine Unverständnis herrscht darüber, dass Untere Jagdbehörden in anderen Landkreisen durchaus die Notzeit ausgerufen haben, die in den drei Kreisen Elbe-Elster, Dahme-Spreewald und Teltow-Flämig aber nicht. Es muss doch einheitliche Parameter geben, ab wann eine Notzeit auszurufen ist. Wir wollen die Hegewoche nutzen, um mit Befindlichkeiten aufzuräumen und Transparenz für diese Entscheidung zu schaffen.

Auf welchem Weg?

Wir haben Vertreter der Unteren Jagdbehörden aus allen drei Landkreisen eingeladen und auch die Zusage, dass sie Gast sein und mit uns ins Gespräch kommen werden.

In welchem Rahmen wird dieses Gespräch stattfinden?

Während der Mitgliederversammlung unserer Hegegemeinschaft, aber erst einmal nur im kleinen Rahmen.

Sie sprachen vorhin von den beiden Lagern in der Jägerschaft. Man ist sich doch aber sicher einig, dass sich das Wild natürlich verhalten soll und kann?

en Biotope heute ständigem Wandel unterliegen. Ich wage zu behaupten, dass es diese eigentlich gar nicht mehr gibt. In der Regel findet das Wild nur noch Monokulturen vor. Und wenn ein Jäger nur Feldreviere hat, wie es bei der Familie Schröter, die sich auch in der RUNDSCHAU zu Wort gemeldet hat, der Fall ist, dann ist die Situation eben anders als in einem Revier mit Eichenbeständen. Andererseits lag der Schnee in diesem Jahr gerade auf den Feldern so hoch, dass die Tiere gar nicht so tief graben konnten, um an Nahrung zu kommen. Die Reaktion von Armin Draeger auf den Schröter-Beitrag hat aus meiner Sicht indessen einige Widersprüche in sich gehabt.

Nur ein Beispiel: Wenn er natürliche Vorgänge in der Natur in den Vordergrund stellt, das Verenden von Wildtieren durch Äsungsmangel begrüßt und die lebenserhaltenden Hegemaßnahmen durch Jäger in einem seit mehr als 50 Jahre nicht da gewesenen strengen Winter verurteilt, also "die Natur ausgehebelt wird", so steht dies natürlich im Widerspruch zu seinen mit zu verantwortenden Jagdmethoden, Wildtieren in ihrer notwendigen Ruhezeit im Winter mit Gesellschaftsjagden nachzustellen, die natürlichen Bedürfnisse der Tiere also zu missachten. Das Beziehungs- und Interessengeflecht im Zusammenhang mit Natur und Kulturlandschaft ist zu komplex, als dass man nur einer Seite das Aushebeln der Natur vorwerfen könnte. Der anständige und verantwortungsvolle Umgang mit dem Thema Natur allerdings bleibt oberstes Ziel.

Terminkalender
Die Hegegemeinschaft "Hohenbucko - Rochauer Heide" lädt heute ab 18 Uhr zur Mitgliederversammlung in die Gaststätte "Raunigk" in Gehren ein. Gezeigt wird auch eine Trophäenschau. Um 19 Uhr gibt es einen Bildervortrag über die vorkommenden Wildarten.

Es fragte Sylvia Kunze.
Aus: Lausitzer Rundschau vom 12.03.10