Erklärungsbedarf: Welche Kriterien gibt es für eine Notzeit?
HERZBERG Die Themen Notzeit für das Wild in heimischen Wäldern und Winterjagd bleiben aktuell. Ebbo Hahlweg, Verantwortlicher für die Wildbewirtschaftung der Hegegemeinschaft Hohenbucko - Rochauer Heide, und Dietrich Krill, Mitglied des Landesjagdverbandes, sind der Meinung, dass noch immer nicht genügend Transparenz besteht.
In einer Reaktion auf die Aussagen von Stefan Lindner von der unteren Jagdbehörde des Landkreises und Dr. Khadjavi-Gonthard (EER vom 3. Februar) schreiben sie: "Für jeden Bürger ist es unverständlich, wenn unterschiedliche Landkreise bei gleichen Witterungsbedingungen unterschiedlich agieren und entscheiden. ... Wenn es also in den Kreisen TF, EE und LDS, im Gegensatz zu benachbarten Kreisen, keine Notzeit geben soll, so sind diese unteren Jagdbehörden aufgefordert, den Bürgern und insbesondere Jägern ihre Kriterien darzulegen, wann denn für sie die Notzeit beginnt." Beide sind überzeugt, dass es durchaus genügend artgerechtes Futter gebe, welches man dem Wild anbieten könne. Ausdrücklich Recht geben sie Stefan Lindner, wenn es darum geht, mehr Wildackerflächen anzulegen, damit die Wildtiere gestärkt in den Winter gehen können. Ihre Forderung: "Ein bis anderthalb Prozent der Fläche eines jeden Reviers sollte für Wildernährung reserviert sein."
Zudem räumen die beiden Waidmänner ein: "Wie wir in unserem Artikel deutlich gemacht haben, hat Herr Dr. Khadjavi-Gonthard wahrscheinlich nichts Ungesetzliches getan. ... Das Rotwild hat bei uns, abhängig von Geschlecht und Alter, eine Jagdzeit von Juni bis Februar." Man wisse jedoch mittlerweile vom Rotwild, dass es in den Wintermonaten absolute Ruhe brauche. Viele Jäger würden es deshalb schon ab Weihnachten oder Silvester nicht mehr bejagen und "akzeptieren die Bedürfnisse der Wildtiere, verhalten sich also dem Tierschutz konform". Aktuell gehe es aus Sicht von Hahlweg und Krill allein um die Frage, wie man zum Tierschutz steht. Zudem würden "Jagden im Winter Wildschäden provozieren, also genau das nach sich ziehen, was benannter Forstbetrieb vermeiden will".
Die Großrudelbildung sei ein in unserer Gegend bekanntes Phänomen, welches darauf hinweise, dass u.a. die Sozialstruktur des Rotwildes im Wesentlichen in Ordnung sei. Jahreszeitlich unterschiedlich fänden sich solche Rudel zusammen, andere Gegenden seien dann fast leer von Rotwild". "Dies ist demnach kein Indiz für einen überhöhten Wildbestand, obwohl es diesen sicher auch in unseren Kreisen noch stellenweise gibt und der auch noch weiter abgebaut werden muss", stellen die beiden heimischen Jäger fest.
Von: red / sk
Aus: Lausitzer Rundschau vom 09.02.10


