Im Herbst mehr für die
Reviergestaltung tun
Dietrich Krill, Mitglied des Jagdverbandes Brandenburg, und Ebbo Hahlweg, verantwortlich für Waldbewirtschaftung bei der Hegegemeinschaft Hohenbucko - Rochauer Heide, hatten in dem Artikel "Wildtiere leiden, doch Jäger im Kreis sind machtlos" (RUNDSCHAU vom 1. Februar) die untere Jagdbehörde des Kreises Elbe-Elster kritisiert, weil sie trotz der Wettersituation, unter der das Wild leidet, keine Notzeit ausruft.
Deswegen, so Krill und Hahlweg, sei es verboten, dem Wild geeignetes Rauhfutter zur Verfügung zu stellen. Auch RUNDSCHAU-Leser Helmut Gulla aus Arnsnesta kritisierte gestern am Telefon das Verhalten der Jagdbehörde. "Die Tiere finden nichts. Das hat doch nichts mit Tier- oder Naturschutz zutun", schimpfte er. Die RUNDSCHAU hat mit Stefan Lindner, Sachbearbeiter Jagd- und Fischereibehörde bei der Kreisverwaltung Elbe-Elster zum Thema Notzeit gesprochen.
Herr Lindner, wir haben seit Wochen tiefsten Winter mit viel Schnee. Das Wild findet kaum Futter. Warum ruft die Jagdbehörde die sogenannte Notzeit nicht aus?
Erst mal möchte ich sagen, dass kaum ein Thema immer wieder so emotional behandelt wird, wie das der Notzeit. Der überwiegende Teil der Kreise in Brandenburg hat die Notzeit, in der Wild gefüttert werden darf, noch nicht ausgerufen. Wir arbeiten zusammen mit den Jagdbehörden in den Kreisen Teltow-Fläming und Dahme Spreewald. Notzeit ja oder nein ist keine willkürliche Entscheidung der Behörden. Wir bedienen uns der fachlichen Auskunft von Jagdberatern, Jagdbeiräten und anderen kompetenten Personen. Diese Witterungslage ist ein ganz normaler Winter, mit dem das Wild, eigentlich geht es ja nur um das Rehwild, klarkommt.
Der Winter ist aber doch recht heftig. Ist die Forderung der Jäger nach der Notzeit denn wirklich so abwegig?
Wenn jetzt mit der Fütterung begonnen wird, wird mehr Schaden angerichtet, als dass man den Tieren etwas Gutes tut. Wenn, dann müsste ein ganz bestimmtes Heu mit viel Blütenanteilen gefüttert werden. Es ist aber zu befürchten, dass Futter rausgegeben wird, das die Tiere gar nicht verarbeiten. Wir haben 211 Reviere. Nicht alle Jäger sind so erfahrene Waidmänner wie Dietrich Krill. Außerdem kommt man derzeit gar nicht an die Futterstellen ran. Viel wichtiger ist es, im Herbst mehr für die Hege und die Reviergestaltung zu tun, zum Beispiel Äsungsflächen anzulegen. Entscheidend ist, dass das Wild gut ausgerüstet in den Winter geht.
Aus: Lausitzer Rundschau vom 03.02.10


