"Wildtiere leiden, doch Jäger im Kreis
sind machtlos"
REGION Die seit Dezember vergangenen Jahres anhaltenden Witterungsbedingungen haben für unser heimisches Wild schlimme Folgen. Nach dem Regen kam der Frost, dann der Schnee mit darauf folgender Kälte, Tief "Daisy" verschlechterte den Zustand von Wald und Wild zusätzlich, dem Tief folgte nach einer sehr kurzen Antauphase der tiefe und harte Frost.
"Nun brechen viele Wildtiere durch den Harsch ein, verletzen sich und haben größte Schwierigkeiten, Nahrung zu finden. Viele Wildtiere reduzieren in dieser Zeit ihren Stoffwechsel, sie verharren zum Teil regungslos in den Dickungen des Waldes und versuchen nur, im Wald selbst oder auf benachbarten Ackerflächen Äsung zu finden, um so diese Zeit zu überleben", beschreiben Dietrich Krill als Mitglied des Landesjagdverbandes Brandenburg und Ebbo Hahlweg, verantwortlich für die Wildbewirtschaftung der Hegegemeinschaft Hohenbucko - Rochauer Heide, im Auftrag der Mitglieder ihrer Zusammenschlüsse die Situation.
Viele Bemühungen nutzlos
Sie informieren weiter: "Viele Jäger haben deshalb versucht, angelegte Äsungsflächen freizulegen, wiederholter Schneefall und Frost machten aber viele Bemühungen nutzlos. Eigentlich müsste mit geeignetem Rauhfutter gefüttert werden. Doch dies ist verboten, solange die Untere Jagdbehörde keine Notzeit verkündigt. Die Jagdbehörde sieht im Gegensatz zu Jägerschaft und Hegering keinen Handlungsbedarf und setzt auf natürliche Auslese. Während andere Kreise schon lange Notzeit haben und somit die Jäger den Wildtieren auch mit Futter helfen können, können sie im EE-, LDS- oder TF-Kreis nur hilflos zusehen.
Zudem ärgert die Hegegemeinschaft das Verhalten einer privaten, ritterlichen Forstverwaltung mit Jagdvermarktung, die bei diesen Witterungsverhältnissen die Tiere aufscheucht und Jagd auf sie macht. Diese hatte auch keine Probleme damit, selbst am Tag von Tief ,Daisy' dem Wild nachzustellen und es um seine lebensnotwendigen Reserven zu bringen, um Wild zu schießen. Tierschutzgedanken sind dieser Verwaltung offensichtlich fremd. Eine weitere Jagd war am zurückliegenden Wochenende geplant." Große Teile der Jägerschaft, so heißt es in einem Brief an die RUNDSCHAU, würden dieses Verhalten verurteilen und distanzieren sich von diesem Treiben, denn "die Hegegemeinschaft sowie der Forst Brandenburg haben vereinbart, keine Bewegungsjagden mehr im Januar zu veranstalten, um dem Wild die notwendige Ruhe zukommen zu lassen. Einzig Einzelabschüsse kranken Wildes sind hiervon ausgenommen. Richtigerweise muss noch gesagt werden, dass benannte Forstverwaltung als einziger Jagdbetrieb im Kreis nicht Mitglied der Hegegemeinschaft ist."
Hunde an der Leine führen
Die Jäger bitten darüber hinaus die Bürger, ihre Hunde im Wald an der Leine zu führen und nach Möglichkeit keine Dickungen zu betreten, denn sonst könnten sie nicht nur das Wild stören. Sie liefen auch Gefahr, dass ihre unbeaufsichtigten Hunde zumindest in diesem Gebiet, wie bei der zuvor genannten Jagd geschehen, als wildernd erkannt und erschossen würden.
"Wetterbesserung scheint nicht in Sicht, das Wild wird wohl zumindest in den EE-, TF- und LDS-Kreisen weiter auf sich allein gestellt sein", beenden Krill und Hahlweg ihr Schreiben.
Von: red
Aus: Lausitzer Rundschau vom 01.02.10


