Jäger stellen abgeworfene
Hirschgeweihe aus

Gut Besuchte Stangenschau In Walddrehna.

Walddrehna. Auf der Anlage des Lausitzer Jagdgebrauchshundevereins sind am Sonntag mehr als 60 Abwurfstangen zu sehen gewesen. Die Hegegemeinschaft Hohenbucko-Rochauer Heide und der Kreisjagdverband Luckau lockten damit Heger, Jäger und Interessierte zur traditionellen Stangenschau nach Walddrehna.

Die Jäger Willi Schmidt (73) und Werner Ertmer (71) sind Experten und begutachteten die ausgestellten Fundstücke. Beide sind seit 50 Jahren in den Revieren Rochauer Heide und Sonnewalde tätig und wissen über ihre Rotwildbestände gut Bescheid. Seit fast zehn Jahren beteiligen sie sich an der zur Tradition gewordenen Stangenschau, die sich immer größeren Zuspruchs erfreut.
"Das Geweih wird periodisch gewechselt" , erklärte Oberförster Frank Mittag den Besuchern. Dabei erfolge der Abwurf des vorjährigen Geweihs Ende Februar bis Anfang April. Während der folgenden 120 bis 130 Tage werde ein neues Geweih gebildet - fachlich: geschoben. Nach Abschluss des Wachstums und intensiver Mineralisierung des Knochens werde der Bast abgestreift, sagte er weiter. Sein neues Geweih setze der Rothirsch dann im Herbst zum Imponiergehabe um seine Damen, im Revierkampf oder auch als Waffe ein. "Verletzungen mit den spitzen Geweih enden sind gar nicht so selten", so Frank Mittag.
An den abgeworfenen Stangen, die an der Trennfuge abbrechen, lasse sich die Vitalität des Bestandes ablesen, sagte er. Je besser die Konstitution des Tieres, um so schwerer sei das Geweih, so der Experte. Da könnten schon mal je Stange bis zu vier Kilogramm einen Platzhirsch zieren. Da das Geweih wieder fast ähnlich ausgebildet wird, kann an Hand der Wurfstangen die Entwicklung des einzelnen Rothirsches verfolgt werden. Ein besonderes Glück sei es, wenn Passstangen, also ein komplettes Geweih eines Tieres, gefunden würde, so der Oberförster.
Nur die stärksten Tiere sollen ihre Gene vererben. So würden alte und nicht so vitale Exemplare zum Abschuss freigegeben. Ihren Zenit hätten die Hirsche mit zwölf bis 14 Jahren erreicht. Danach geht es auch bei ihnen biologisch gesehen bergab. Werde das Tier nicht vorher zur "Ernte" freigegeben, könne es 18 bis 20 Jahre alt werden, erklärte Werner Ertmer.
Am Sonntag hatten Jäger und Stangensammler hauptsächlich aus Gehren, Langengrassau, Bornsdorf und Falkenberg ihre Trophäen zur Begutachtung gebracht. Nicht alle Abwürfe würden gefunden. Es bestehe auch keine Pflicht, die gefundenen Exemplare abzuliefern, sagte Werner Ertmer. Das Zusammenwirken von Sammlern und Jägern sei aber gut und gebe einen Überblick über die Entwicklung des Rotwildbestandes im Altkreis Luckau.
"Wenn aus den Stangen keine Kerzenhalter, Garderobenhacken, Hundepfeifen oder Kronleuchter werden, gehen sie als begehrter Rohstoff in die Knopffabriken", erzählte Frank Mittag. Oder sie würden auf Kunstschädel platziert so manche Jagdstube oder Trophäensammlung zieren. Gudrun Driesen


Experten bewerten anhand der gefunden Stangen auch das Alter der Tiere. Foto: Gudrun Driesen

Aus: Lausitzer Rundschau vom 07.05.08