Jäger fordern: Wolf gehört ins Jagdgesetz

Hegegemeinschaft Hohenbucko-Rochauer Heide diskutiert über neue Ansiedlung und bilanziert Jagdjahr.

Hohenbucko-Rochauer Heide  Die Trophäen des Jagdjahres 2007/08, das am 31. März endet, haben die Jäger der Hegegemeinschaft Hohenbucko-Rochauer Heide in Gehren präsentiert. Stark diskutiertes Hauptthema des Treffens von Jägern, Waldbesitzern und weiteren Interessierten war die Rückwanderung des Wolfes einschließlich der damit verbundenen Auswirkungen auf den Wildbestand. Dr. Reinhard Möckel, Wolfsbeauftragter des Landes, informierte über Fakten und Erkenntnisse des bisherigen Bestands des grauen Jägers in der Niederlausitz.

Seit mit dem Ende der 1990er-Jahre wieder Wölfe nach Deutschland einwandern und auch in der Rochauer Heide Wölfe gesichtet werden, treibt die Jäger zunehmend Sorge um die von ihnen gehegten Wildbestände um, insbesondere das Muffelwild. Ebenso befürchten Landwirte Übergriffe des grauen Jägers auf Nutztiere sowie eine Zunahme von Schäden auf Ackerflächen durch eine Zusammenrottung des Schalenwildes zu größeren Rudeln aufgrund der natürlichen Schutzreaktion.
Derzeit belaufe sich der Wolfsbestand in Deutschland auf insgesamt 39 Tiere, stellte Reinhard Möckel fest. Davon lebten nachweislich 30 Tiere in Nordsachsen. Von den neun Wölfen in Südbrandenburg lebten zwei in der Zschornoer Heide, mindestens vier in der Lieberoser/Reicherskreuzer Heide. Ein Wolf pendele im Dreieck zwischen Altdöbern, Drebkau und Calau. Ein Wolfspaar sei nachweislich im Januar in den Forst Hohenbucko-Rochauer Heide zugewandert.
Tatsache sei, dass der Wolf schrittweise versuchen wird, die großen Waldgebiete Deutschlands wieder zu besiedeln, so Möckel. Erste Tiere seien bereits in Schleswig-Holstein und Niedersachsen gesichtet und fotografiert worden. Der Wolf sei EU-weit geschützt. Dieser Schutzstatus werde erst geändert, wenn der Wolf einen stabilen Bestand in Europa erreicht haben wird, erklärte der Wolfsexperte nachdrücklich.

Muffelwild in Gefahr

Eine Befürchtung der Jäger bestätigte Reinhard Möckel während der Diskussion. Auf die Frage, welche Zukunft das Muffelwild in der Rochauer Heide habe, stellte der Wolfsexperte klar: „Dies ist ein echtes Problem, denn Mufflons sind nicht in der Lage, dem Wolf Paroli zu bieten.“ Der natürliche Lebensraum dieser in den heimischen Wäldern vom Menschen angesiedelten Wildart seien felsige Gebirgslandschaften, wo sie dem Wolf ausweichen könnten. Schäfer würden für von Wölfen gerissene Tiere entschädigt, ein Kalb sei bisher noch von keinem Wolf gerissen worden, antwortete er auf weitere Fragen. Er betonte, dass Jäger wie Landwirte jetzt wieder lernen müssten, mit der Existenz des grauen Jägers umzugehen.
In der Diskussion verdeutlichten die Jäger, dass sie sich mit ihrer Ausgrenzung bezüglich der Wiederansiedlung dieses seit Jahrhunderten aus den Wäldern verschwundenen Wildtieres nicht abfinden wollen. „Wir wollen den Wolf ins jagdbare Bild haben, bitte helfen Sie uns dabei“, erklärte Dieter Schröter aus Schlieben unter dem Beifall der Anwesenden. Frank Mittag, Vorsitzender der Hegegemeinschaft, unterstrich diese Forderung nach einem Mitspracherecht. Die Jäger seien nicht gegen eine Rückwanderung des Wolfes, diese sollte jedoch nicht bedingungslos erfolgen, denn „wir haben hier eine Kulturlandschaft und in diese sollte er sich einfügen“, so Mittag.
Deshalb hätten die Jäger einen offenen Brief an Brandenburgs Landwirtschaftsminister Dietmar Woidke (SPD) verfasst, in dem sie die Aufnahme des Wolfes ins Jagdgesetz fordern. Es gehe ihnen als Jäger nicht darum, zu schießen, wenn ein Wolf gesichtet werde. „Als Jäger sind wir Naturschützer und hegen unsere Wildarten seit Jahrzehnten“, argumentierte Landwirtin Karin Thomas und erhielt dafür breite Zustimmung der Anwesenden. Wie zahlreiche andere ganzjährig geschützte Wildarten sollte auch der Wolf ins Jagdgesetz aufgenommen werden, um den Jägern Rechtssicherheit zu geben. Werde ein Wolf beispielsweise auf der Straße angefahren und schwer verletzt, könne ein Jäger das Tier nicht wie anderes Wild zur Strecke bringen, weil Strafe drohe, erläuterte sie. Eine Aufnahme des Wolfes ins Jagdgesetz ermögliche zudem, eine Ausnahmegenehmigung für den Abschuss zu erwirken, wenn sich ein solches Tier nicht artgerecht verhalte, so Karin Thomas.

Bilanz der Hegegemeinschaft

Über 2600 Tiere der vier von den Jägern gehegten Schalenwildarten, Reh-, Schwarz-, Rot- und Muffelwild, seien seit April 2007 zur Strecke gebracht worden, informierte der Vorsitzende der Hegegemeinschaft, Frank Mittag. „Nach Jahren überhöhter Wildbestände ist jetzt die dem Biotop entsprechende Anzahl erreicht und das Gleichgewicht wieder hergestellt“, stellte er fest. Im einzelnen wurden laut der auf der Hegeschau präsentierten Statistik 1100 Stück Rehwild und 348 Stück Rotwild sowie 923 Wildschweine und 240 Wildschafe (Muff lons) von den Jägern erlegt.
Ziel der Jäger sei es, einen gesunden Wildbestand zu erhalten, so Mittag. Die Trophäen seien zudem ein Spiegelbild der Vitalität des Bestandes, was ein Kriterium für die Festlegung der Abschussquote von Schalenwild im neuen Jagdjahr bilde. Als weitere Faktoren würden die Zahl der gestreckten Tiere, der Zustand der Bodenvegetation und der von den Jägern gezählte Wildbestand in die Entscheidung über die jährlich neu festgelegte Anzahl der zu erlegenden Tiere einbezogen.

Zum Thema Hegegemeinschaft

Die Hegegemeinschaft Hohenbucko-Rochauer Heide bewirtschaftet ein Areal von rund 54.000 Hektar, das sich von Sonnewalde im Süden bis Dahme im Norden und von Goßmar im Osten bis Herzberg im Westen und damit über die Landkreise Dahme-Spreewald, Elbe-Elster und Teltow-Fläming erstreckt. In 70 Revieren jagen rund 250 Jäger. Weitere Informationen sind im Internet (www.hg-hohenbucko-rochauer-heide.de) zu finden.

Aus: Lausitzer Rundschau vom 18.03.08