Förster: Wir freuen uns über Wölfe in der Rochauer Heide
Im Landkreis Dahme-Spreewald gibt es einige Anzeichen auf Isegrim.
Der Fund der verendeten Wölfin in der Rochauer Heide (die RUNDSCHAU berichtete) hat Freude über eine mögliche Wiedereinwanderung von Isegrim in die nördliche Niederlausitz ausgelöst. Förster und Naturschützer sind von der Raubwildart begeistert. Neben der Rochauer Heide mehren sich die Spuren des Wolfes auch in anderen Teilen des Landkreises Dahme-Spreewald.
«Ich freue mich, dass der Wolf wieder da ist. Das wird noch richtig spannend. Erstmals bekam ich in Deutschland einen Isegrim in freier Wildbahn zu Gesicht» , sagt Christoph Mertzig, Leiter der Oberförsterei Luckau. Er war dabei, als diese Woche die tote Wölfin im Revier Neusorgefeld, nur einen halben Kilometer von der Bundesstraße 87 entfernt, in einer Fichtendickung geborgen wurde. Laut Mertzig war ein Waldarbeiter durch den Aasgeruch auf den Tierkadaver gestoßen. «Wir vermuten, dass die junge Wölfin bereits zwei oder drei Tage dort gelegen haben muss» , erklärt Mertzig. Das Tier habe keinerlei Schussverletzungen aufgewiesen. Vielmehr würden die Bruchverletzungen am linken Vorderlauf und massive Fellabschürfungen auf einen Unfall auf der nahegelegenen Fernstraße deuten.
«Das Tier wird derzeit im Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin untersucht. Mit entsprechenden Ergebnissen rechnen wir in der kommenden Woche» , kündigt Volkhard Burisch vom Amt für Forstwirtschaft Lübben an. Die Experten würden die konkrete Todesursache feststellen sowie Proben zwecks Bestimmung der genetischen Abstammung entnehmen. Daraus ließe sich ableiten, ob das Tier aus Polen oder aus der Lausitz-Niederschlesischen Heide stamme. Immerhin habe es die Wölfin geschafft, die dicht befahrene Autobahn 13 unversehrt zu überqueren. «Uns sind allerdings keine Anzeichen an den Autobahnbrücken bekannt» , erklärt der Wolfsbeauftragte für Südbrandenburg, Steffen Butzeck. Erst am 10. Februar 2006 sei eine verendete Wölfin an der A 15 bei Forst gefunden worden.
«Es handelt sich bei dem Tier in der Rochauer Heide um den ersten tot gefundenen Wolf im Landkreis» , weiß Kreissprecherin Heidrun Schaaf. Ihr seien jedoch mehrere Fälle bekannt, wo Isegrims Spuren gesichtet worden wären. «Schon im Winter 2005/06 gab es Beobachtungen im Unterspreewald. Darüber hinaus wurden im Frühjahr 2007 Spuren bei Lieberose gesichtet» , so Schaaf.
Das bestätigt auch der Byhlener Revierförster Romeo Buder: «Erst am zweiten Augustwochenende hat ein Jäger in der Reicherskreuzer Heide drei Wölfe gesehen, die ein Stück Rotwild hetzten.» Darüber hinaus sei vor zwei Wochen ein Isegrim in der Nähe von Rampe 6 unweit des Byhlener Forsthauses gesichtet worden. «Wir merken die Existenz des Wolfes auch am übrigen Wild, denn es wird zunehmend heimlich, also zieht sich zurück. Außerdem ist das Muffelwild, das immer unweit der B 168 zwischen Lieberose und Peitz lebte, verschwunden» , hat Buder beobachtet. Hauptsächlich Rot-, Reh- und Muffelwild würden auf dem Speiseplan der grauen Raubtiere stehen.
Unterdessen hofft Oberförster Christoph Mertzig auf den Zuzug von Wölfen in die Rochauer Heide: «Das knapp 5000 Hektar große Waldgebiet beinhaltet auch für diese Tierart einen guten Lebensraum. Es ist weitläufig, und in ihm lebt viel Wild.» Mertzig wünscht sich von den grauen Raubtieren vor allem Hilfe bei der Reduzierung erhöhter Schalenwildbestände. Ein Wolfsrudel in der Heide hält der Forstmann für verträglich.
Aus: Lausitzer Rundschau vom 18.08.07
Wölfe wandern von der Lausitz weiter nach Ostbrandenburg
Jäger, Naturschützer und Behörde im Oder-Spree-Kreis befürchten eine Dezimierung des Artenreichtums im Schlaubetal.
Mit besorgtem Blick mustert Hartmut Staar seine etwa 1500 Tiere. Dam- und Rotwild sowie Mufflons tummeln sich in den weitläufigen Gehegen des Gutes Hirschaue bei Beeskow. Zwei Meter hoch sind die Wildzäune, die Rehe, Hirsche und Wildschafe daran hindern, in die freie Natur zu flüchten. „Wölfe werden sich davon jedoch nicht aufhalten lassen“, ist der Landwirt überzeugt.Bei einem Kollegen in der Lausitz seien die Raubtiere mühelos über die Zäune gesprungen und hätten sich über das Rotwild hergemacht. Dem vorbeugen kann Staar nicht. Um einigermaßen wolfssicher aufzurüsten, bräuchte er rund 150 000 Euro, schätzt er. „Mir bleibt dann bloß, im Nachhinein meinen Schaden beim Land Brandenburg geltend zu machen“, ärgert sich der Landwirt, der dafür „die besten Rechtsanwälte der Welt“ einschalten würde.
Bis die ersten Wölfe auf dem Gut Hirschaue auftauchen, dürfte es gar nicht mehr lange dauern. Längst breiten sich die in Deutschland einst ausgerotteten Raubtiere von der Lausitz aus in Richtung Norden aus.
Ein Pärchen wurde anhand von aufgestellten Fotofallen im Frühjahr am Nordrand des Spreewaldes ausgemacht, ein vierköpfiges Rudel lebt seit diesem Jahr auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Lieberose (Dahme-Spreewald), das beweisen DNA-Analysen aus Kotproben
„In der roten Zone, deren Betreten wegen hoher Munitionsbelastung strengstens verboten ist, sind sie nahezu ungestört“, erzählt Matthias Fochtmann von der Unteren Jagdbehörde des Landkreises Oder-Spree. Jäger der Hegegemeinschaft Schlaubetal haben ihm mehrfach davon berichtet, dass sie die vier Wölfe selbst am hellerlichten Tage in ihrem Revier bei Henzendorf und Treppeln gesehen haben. Auch Risse, von Wölfen erbeutetes aber nicht komplett aufgefressenes Wild, wurden wiederholt in der Region entdeckt. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich die Wölfe hier richtig etablieren“, ist der Mitarbeiter der Oder-Spree-Kreisverwaltung überzeugt.
Dann geht es vor allem den Mufflons an den Kragen, befürchten Fochtmann, Jäger und auch Naturschützer im Naturpark Schlaubetal südlich von Eisenhüttenstadt.
„Muffelwild kennt den Wolf nicht als natürlichen Feind, ist für das Raubtier viel zu langsam“, beschreibt Fochtmann. So wurde die Mufflonpopulation in der sächsischen Lausitz binnen kürzester Zeit von den Wölfen ausgerottet, gleiches droht den etwa 500 Exemplaren im Ostbrandenburger Schlaubetal.
„Wir haben einen Artenreichtum herangehegt, der kaputt gemacht wird, wenn der Wolf hier tun und lassen kann was er will“, ärgert sich Jäger Friedrich Hesse, Sprecher der Hegegemeinschaft Schlaubetal. Statt eines totalen, übertriebenen Vollschutzes, wie bisher vom Land Brandenburg betrieben, müsse der Wolf in einem vernünftigen Verhältnis zu anderen Tierarten gehalten werden.
Die Stimmung unter den Jägern sei bedenklich, sagt Hesse. „Wenn sie ihre Interessen nicht gewahrt sehen, wird es problematisch, denn sie greifen irgendwann zur Selbstjustiz.“ Der Wald sei schließlich groß und schweige, meint er vielsagend.
Aus: Lausitzer Rundschau vom 12.12.07


