Jäger sehen Muffelwild durch Wölfe gefährdet
Hegeschau in Gehren bietet Jagdtrophäen und Waldknigge.
Die Wildtiere dürften nicht zum Sündenbock für Wald- und Flurschäden in der Region gemacht werden. Das hat Frank Mittag, der Vorsitzende der Hegegemeinschaft Hohenbucko-Rochauer Heide, während der Hegeschau am Freitagabend in Gehren gefordert. „Wild trägt zur Attraktivität unserer Region bei“, sagte Mittag. Gleichzeitig machte er darauf aufmerksam, dass bei einer Rückkehr der Wölfe das Muffelwild in Gefahr sei.
Trophäen des vergangenen Jahres waren im Wirtshaus in Gehren zu sehen. Die Hegegemeinschaft Hohenbucko - Rochauer Heide hatte zur Hegeschau geladen.
Kritisch betrachteten die Waidmänner vor allem, dass es in den Wäldern kaum noch Ruhezonen für die Tiere gebe. Auch diese Bereiche würden von Menschen inzwischen stark frequentiert, so Mittag. Wild werde dadurch verunsichert und ziehe sich in großen Rudeln zusammen, was zu Schäden führe, so Frank Mittag. Das «konzentrierte Auftreten großer Wildverbände» bereite den Jägern Sorgen.
Ein „Riesenproblem“ seien die Motocrossfahrer, sagte der Jäger. Aber auch mit Reitern, Spaziergängern, Pilzsuchern und Mountain-Bikern müssten sich Jäger den Lebensraum Natur teilen. „Ein Waldknigge“, so Mittag, „verweist auf die wichtigsten Verhaltensregeln: Grundsätzlich darf jeder den Wald betreten, unabhängig von der Eigentumsfrage. Allerdings ist Ruhe angesagt, schließlich findet im Wald keine Kirmes statt.“ Reiten und Gespannfahren sei nur auf Wirtschaftswegen erlaubt, Hunde seien anzuleinen, erläuterte der Vorsitzende der Hegegemeinschaft weiter.
Im vergangenen Jagdjahr sei Wild zur Beute von Hunden geworden, erklärte Mittag. Zudem seien Aufbrüche, also die Eingeweide von Tieren, gefunden worden. „Wilderei ist kein Kavaliersdelikt“, erklärte der Vorsitzende. „Aber offenbar brauchen einige Leute diesen Nervenkitzel.“ Auch die Mitnahme von Wild, das bei einem Verkehrsunfall getötet wurde, sei verboten.
Fuchsbandwurm festgestellt
Festgestellt worden ist laut Mittag außerdem, dass der Fuchsbandwurm flächendeckend vorhanden ist. „Waldfrüchte sollten also nicht ungewaschen verzehrt werden“, sagte Mittag. Hunde und Katzen könnten zudem den Fuchsbandwurm auf den Menschen übertragen.
Während der Hegeschau in Gehren wurden zudem Trophäen des vergangenen Jagdjahres gezeigt. Zu sehen waren Jagdtrophäen von Rot-, Muffel-, Schwarz- und Rehwild. Die Zahl der Abschüsse lägen im Schnitt der vergangenen Jahre, erklärte der Vorsitzende der Hegegemeinschaft. Beim Rotwild wurde laut Mittag etwa die Hälfte des Bestandes von 1000 Tieren zur Strecke gebracht.
Rehe häufigste Wildart
Häufigste Wildart im Gebiet der Hegegemeinschaft sei das Rehwild mit bis 4000 Tieren. Etwa 1200 Rehe würden jährlich erlegt. Hinzu kämen 2000 Wildschweine, «unser Wildschadensverursacher Nummer eins» , so der Vorsitzende.
Etwa 250-mal im Jahr werde Muffelwild geschossen. Diese Tiere stammten ursprünglich aus Korsika. Frank Mittag befürchtet, dass Muffelwild schon bald ausgerottet sein könnte. „Muffel kennen den Wolf nicht und stellen sich. Wenn der Wolf weiter auf dem Vormarsch ist, wird Muffelwild für ihn zur leichten Beute“, so Mittag.
Zum Thema Hegegemeinschaft
Die Hegegemeinschaft Hohenbucko-Rochauer Heide umfasst 72 Reviere in den Kreisen Dahme-Spreewald, Teltow-Fläming und Elbe-Elster. Das Gebiet ist etwa 54 000 Hektar groß. Kern ist die Hohenbucko-Rochauer Heide mit etwa 26 000 Hektar.
Von: Andreas Satindl
Aus: Lausitzer Rundschau vom 12.03.07



