Neuer Wildzaun bei Luckau wird für Tiere zur Todesfalle

Reh verendet zwischen den Absperrungen / Jäger: Fehler beim Bau

Die neuen Wildschutzzäune auf beiden Seiten der Luckauer Umgehungsstraße werden für Tiere offensichtlich zur Todesfalle – und erhöhen damit auch das Risiko für Autofahrer. Eigentlich sollen die Absperrungen auf dem gut sieben Kilometer langen Abschnitt genau das Gegenteil bewirken. Mögliche Ursache: Die Zäune sind fehlerhaft gebaut worden.


Foto: Foto-Zahn

Ein Reh ist auf der Luckauer Umgehungsstraße in Richtung Langengrassau zwischen die Absperrungen gelangt.

Es ist kein schöner Anblick, der sich Autofahrern gestern Vormittag auf der Umgehungsstraße bietet. Ein Reh liegt tot am Straßenrand – dort wo es gar nicht mehr hingelangen sollte, zwischen den beiden nagelneuen Wildschutzzäunen. Dabei seien derartige Absperrungen durchaus eine sinnvolle Sache, sagt Jäger Frank Mittag. Er ist Vorsitzender der Hegegemeinschaft Hohenbucko-Rochauer Heide. Ein Wildschutzzaun verringere das Unfallrisiko auf den Straßen. «Doch sobald sich den Tieren ein Schlupfwinkel bietet, werden die Zäune zur tödlichen Falle für das Wild» , so Mittag. Damit würden dann auch wieder die Autofahrer gefährdet.
«Möglicherweise sind die Zäune nicht richtig gebaut worden» , sagt der Jäger weiter. Vorschrift sei eine Höhe von zwei Metern, das sei auch zwischen Luckau und Langengrassau der Fall. Aber ein einziges Loch reiche aus, damit die erhoffte Wirkung des Zaunes verpufft und ins Gegenteil umschlägt. «Die Zäune müssen unten richtig fest ins Erdreich eingebunden werden» , erläutert Jäger Frank Mittag. «Sonst schiebt sich das Wild darunter und hebt den Zaun an.»
Dass die Mindesthöhe von zwei Metern erreicht wird, stimmt nicht an jeder Stelle. Die RUNDSCHAU hat gestern stichprobenartig nachgemessen. Mancherorts ist bei rund 1,80 Meter Höhe Schluss. Das Drahtgeflecht endet knapp über der Erde.
Die Polizei Dahme-Spreewald rät den Autofahrern, bei einem Wildzaun am Straßenrand «nicht blind auf dessen Wirksamkeit zu vertrauen» , sagt Sprecher Bernd Walter. Derartige Schutzeinrichtungen würden überall dort aufgestellt, wo es oft zu Wildunfällen kommt. «Nach dem Aufstellen der Zäune geht die Unfallhäufigkeit zurück» , so der Polizeisprecher.
Noch besser wäre es, wenn mit jedem Wildzaun auch immer eine Wildbrücke über die Straße gebaut werden würde, ergänzt Jäger Frank Mittag. Doch das sei aus finanziellen Gründen nicht möglich. Ein Wildzaun zerschneide immer den Lebensraum der Tiere. «Der Austausch der Population findet nicht mehr statt. Die Folge ist genetische Verarmung» , so der Jagd-Fachmann.
Das Aufstellen der Zäune entlang der Bundesstraße hat der Landesbetrieb Straßenwesen in Auftrag gegeben. Zu Details wollte sich die Luckauer Straßenmeisterei nicht äußern und verwies gestern auf die Niederlassungsleitung in Wünsdorf. Auch dort war am Mittwoch niemand, der Auskunft geben wollte. Der versprochene Rückruf aus der Zentrale in Hoppegarten blieb bis Redaktionsschluss aus.

Von: Tilo Winkler
Aus: Lausitzer Rundschau vom 10.10.06