Das Rotwild im Gebiet der Hegegemeinschaft

Einleitung

Das Rotwild

Das Rotwild ist unsere größte einheimische Wildart. Man spricht auch vom “ König der Wälder“. Das Rotwild lebt in Rudeln (Bezeichnung für eine Anzahl von mehreren Tieren). Hirsche und Tiere bilden außerhalb der Brunft getrennte Rudel. Während das Rudel der Tiere gewöhnlich von einem alten Leittier angeführt wird, geschieht dies in der Regel im Hirschrudel von einem jüngeren Hirsch. Im ersten Jahr werden die Jungen je nach Geschlecht “Hirschkalb“ (männl.) oder “Wildkalb“ (weibl.) und im zweiten Jahr dann “Spießer“ bzw. “Schmaltier“ genannt. Ab dem dritten Jahr heißen sie dann “Hirsch“ bzw. “Tier“.

Zu Beginn der Brunft bilden die älteren Hirsche (Platzhirsch) mit mehreren Tieren und Kälbern selbstständige Rudel, wobei sich der Platzhirsch ständig gegen andere Hirsche behaupten muß. Die Hirsche lassen sich in dieser Zeit mit starker Stimme hören. Man nennt dies auch schreien oder “röhren“. Der Hirsch beschlägt die Tiere nach und nach, so wie diese brunftig werden. Zwischen den Rivalen finden oft erbitterte Kämpfe statt. Nicht selten kommt es dabei vor, dass dabei einer der Rivalen verendet. Wir Jäger nennen dies auch “forkeln“.

Das Rotwild ernährt sich von Pflanzen. Es äst Gras, Klee und Getreide und die Knospen der verschiedenen Gehölze, sowie Pilze, Obst, Eicheln und Kastanien. Bei fehlenden Nahrungsangebot, insbesondere in den monotonen Kieferwäldern Brandenburgs, ernährt sich das Rotwild auch von der Baumrinde der Kiefer. Man nennt dies “schälen“. Dadurch können große Schäden am Baumbestand entstehen.

Das Rotwild läßt sich nur großflächig bewirtschaften. Es muß daher ein bestimmtes Mindestareal vorhanden sein. Um dies zu ermöglichen, haben sich die Jagdausübungsberechtigten unseres Gebietes zur Hegegemeinschaft Hohenbucko-Rochauer Heide“ zusammengeschlossen. Die Rotwildbewirtschaftung in der Hohenbucko-Rochauer-Heide ist eine unserer Hauptaufgaben.

Gebietsbeschreibung

Es handelt sich um ein relativ ungestörtes, nur durch die B 87 durchschnittenes Einstandsgebiet mit einer zusammenhängenden Waldfläche im Kernbereich von ca. 26.000 ha (Gesamtfläche der Hegegemeinschaft ca. 54.000 ha). Es erstreckt sich im Süden Brandenburgs über die Landkreise “Elbe-Elster“, “Teltow-Fläming“ und “Dahme-Spreewald“.

Standortverhältnisse

Obwohl die Standortverhältnisse nur Kiefer als Hauptbaumart zulassen, Beerkraut, Heide und Drahtschmiele in der Bodenvegetation als Hauptäsung ausreichen müssen, hat das Gebiet doch immer wieder Spitzenhirsche hervorgebracht, von denen der Goldmedaillenhirsch aus Sonnewalde-Wallhaus von 1989, ein ungerader 34-Ender, 8,5 kg Geweihgewicht mit 220,34 IP, die vorläufige Krönung darstellt.

Der Waldumbau zum Mischwald, entsprechend dem Brandenburger Waldumbauprogramm, mit höheren Laubholzanteilen, besonders der Eiche, wird die Äsung künftig aufwerten, nimmt aber z.Zt. durch notwendige Zäunungen sogar noch viele der besten Standorte aus dem Nahrungsangebot für unser Wild heraus. Hinzu kommt, dass in vielen Gemarkungen die Hauptbaumart Kiefer in der 1. und teilweise 2. Altersklasse (kleiner 20 Jahre) durch Zäunung vor Schälschäden geschützt werden muß. Aus diesem Grunde und aus der Abkehr vom schlagweisen Hochwaldbetrieb resultiert der örtlich z.T. beachtliche Mangel an Tageseinständen. Weiterhin sind auch Defizite an Wildäckern und Wildwiesen zu verzeichnen. Aufgabe der HG ist es, hier zukünftig, in Absprache mit allen Beteiligten, ein ausgewogenes Verhältnis zu schaffen.

Rotwildbestand und Bewirtschaftung

Bei Gründung der HG, im Jahr 1992, wurde von einem Bestand von 1.100 Stück Rotwild ausgegangen und eine Strecke von 446 Stück erzielt. In den Folgejahren lag die Rotwildstrecke zwischen 350 und 440 Stücke, wobei festzustellen ist, dass in den Kerngebieten es nicht gelungen ist, die z.T. überhöhten Bestände abzubauen.

Zu berücksichtigen gilt noch, dass in diesem Gebiet zusätzlich noch hohe Muffelwildbestände vorhanden sind. Diese wurden im Rahmen des ehemaligen Wildforschungsgebiet "Hohenbucko" zur "Erhöhung der Schalenwildproduktion" 1963 eingebürgert (heutiger Bestand ca.: 800 Stück jährliche Strecke 250- 300 Stück).

Insgesamt muß eingeschätzt werden, dass es bisher nicht in dem erforderlichen Maße gelungen ist, die örtlich überhöhten Wildbestände auf ein verträgliches Maß zu reduzieren. Diese Tatsache führt zwangsläufig auch dazu, dass z.T. beachtliche Wildschäden in land- und forstwirtschaftlichen Kulturen zu verzeichnen sind. Auswertergebnisse von "Äsungs- und Weiserflächen" belegen die örtlich überhöhten Wildbestände in den Kerngebieten.

Nicht zuletzt Ursache für diese Wildkonzentrationen ist auch der zunehmende “Erholungsdruck“ auf unsere Wälder. Die sogenannten “Wildruhezonen“ werden immer weniger. Das Rotwild tritt zur Äsung immer später aus, bzw. “steht“ konzentriert in den Dickungen und dadurch sind dann die Schälschäden vorprogrammiert.

Ziele der Rotwildbewirtschaftung in der HG

Ziel der Rotwildbewirtschaftung der HG ist das Erreichen einer ökologisch vertretbaren Wilddichte, mit einem gesunden, an seinem Lebensraum angepassten und altersmäßig optimal gegliederten Wildbestand, innerhalb eines mittelfristigen Zeitraumes. Dazu erfolgt seit 1993 jährlich eine Pflichttrophäenschau und Abschußauswertung. Im Jahr 1996 wurde mit der Vorlage des "Grünen Hauptes" begonnen, um besonders auch den Eingriff in den Kahlwildbeständen zu gewährleisten bzw. um im Laufe des Jagdjahres ggf. durch Umverteilung bzw. Planergänzungren einwirken zu können. Erstmals wird diesem Jahr der Gruppenabschuß über mehrere Jagdbezirke (Größenordnung 17.000 ha) in der Regionalgruppe LDS praktiziert, um die jahreszeitlich und durch die Fruchtfolge in der Landwirtschaft örtlich stark differierenden Wildbestände vernünftig bewirtschaften zu können.

Die Arbeitsgruppe Rotwild der HG ist bestrebt, insbesondere auch im Interesse kleiner Jagdbezirke, über Gruppenabschuß- und in mehrjährige Abschußpläne allen Jägern die Möglichkeit zu öffnen, bei entsprechenden Hegebemühungen auch ein Erntehirsch zu strecken, ohne den Altersklassenaufbau zu zerstören.

Werner Ertmer, AG Rotwil