Das Muffelwild im Gebiet der Hegegemeinschaft
Hohenbucko- Rochauer Heide

Das Muffelwild

Muffelwild ist eine tagaktive Wildart die zu den Boviden (Hornträgern) gehört. Da sie ein recht attraktives Erscheinungsbild aufweisen, erhöht sich der Reiz einer Begegnung mit ihnen sowohl für Jäger als auch für Nichtjäger.
Das Muffelwild hat seinen Ursprung im kleinasiatischen Raum und wurde bereits 1903 in Deutschland eingebürgert.

In der Hohenbucko –Rochauer Heide erfolgte im Jahre 1963 eine erfolgreiche Einbürgerung. Teilweise umstritten von Jägern, Forstleuten und Naturschützern ist das Muffelwild aus unserer Hegegemeinschaft nicht mehr wegzudenken.

„Wer aber nach 40-50 Generationen Muffelwild in unserem Land eine ganze Art wieder ausrotten will, der darf auf diesem Gebiet keine Verantwortung übertragen bekommen und muß von diesbezüglichen Entscheidungsprozessen ferngehalten werden.“ Diese Aussage, der wir hier voll zustimmen traf Alexander Krah in einer Ausgabe von Wild und Hund.

Muffelwild lebt in sogenannten Rudeln und ist beispielgebend im Sozialverhalten. Ein Rudel besteht aus miteinander verwandten Schafen und ihren Lämmern, Jährlingen und Schmalschafen. Außerdem gesellen sich gern zwei bis dreijährige Widder zu diesen Rudeln.

Das Leitschaf im Rudel ist immer das älteste Schaf, egal ob es ein Lamm führt oder nicht. Diese Altershierarchie beruht auf einer gewissen Lebenserfahrung die dem gesamten Rudel zugute kommt.

Haben wir ruhige und äsungsreiche Reviere sind die Rudel klein. Anders ist es in stark beunruhigten Gebieten, wo die kleineren Rudel sich in Großrudeln zusammenschließen und eine sogenannte Notgemeinschaft bilden.

Als sogenanntes „Augentier“ lieben sie Althölzer mit vorhandener Boden- und Strauchflora, in denen sie auf engstem Raum ihr Sicherheitsbedürfnis durch gute Sichtverhältnisse befriedigen können. Hauptfeind des Muffelwildes sind wildernde Hunde die in den Beständen großen Schaden anrichten können. Starke Beunruhigungen (Mensch, Hund) führen ebenfalls zum Abwandern ganzer Rudel.

Große Ansprüche an den Lebensraum stellt das Muffelwild nicht. Da es genügsam ist und Beerkraut, Heide und Drahtschmiele noch ausreichend vorhanden sind, ist der Schaden in der Forstwirtschaft noch nicht so prekär wie in den landwirtschaftlichen Kulturen. Hierbei sind vor allen Dingen die Rapsschläge frequentiert, die nicht selten bis zum Totalschaden abgeäst werden.

Die Brunft des Muffelwildes beginnt in der Hohenbucko- Rochauer Heide Ende September, fast zeitgleich mit dem Rotwild. Dadurch werden die ersten Lämmer schon Ende Februar gesetzt. Hauptlammzeit ist jedoch der März. Nicht selten kommt es vor, dass Muffelschafe zwei mal setzen. Zum einen bei Verlust des Lammes im Frühjahr und zum anderen bei hochkonditionierten Schafen. Die Lebenserwartung des Muffelwildes ist noch relativ unerforscht. In freier Wildbahn können Widder 12-14 Jahre und Schafe noch etwas älter werden. Das Geschlechterverhältnis wird mit 1:1 angestrebt.

Der Abschussplan wird über Bestandes- und Zuwachsschätzung errechnet. Realisiert wird dieser dann nach Geschlechtern in den verschiedenen Altersklassen und möglicherweise auch in Güteklassen.

In unserer Hegegemeinschaft gehen wir von einem Bestand von 800 bis 900 Stück aus. Krankheiten spielen in unserer Population eine untergeordnete Rolle. So konnte im Jahre 2000 eine sogenannte vorkommende „Gamsblindheit“ nicht nachgewiesen werden. Der Bestand erholte sich relativ schnell und es trat bis zum heutigen Zeitpunkt kein weiterer Fall von Blindheit auf. Ebenso ist es mit der gefürchteten „Moderhinke“, die in der Hohenbucko- Rochauer Heide noch nicht aufgetreten ist. Bei der Trophäenentwicklung ist ein positiver Trend seit Einbürgerung des Muffelwildes zu verzeichnen. So konnte nach anfänglichen „engen Kreisbögen“ und sogenannten „Einwachsern“ die Anzahl dieser Widder deutlich reduziert werden, was von einer konsequenten Bejagung zeugt. Bei der Trophäenausbeute ist das Muffelwild eine recht dankbare Wildart. So bekommen jährlich 20-25% der vorgelegten Widdertrophäen eine Medaille. Man muß den Widder nur „alt“ werden lassen, um eine entsprechende Trophäe zu erbeuten.

Geht man davon aus, dass von den Jägern die Achtung vor der Kreatur nicht verloren geht und genug Verantwortung bei der Abschussrealisierung getroffen wird, so können wir hoffentlich noch recht lange diese Wildart in unseren Wäldern bejagen.

Gisela Polz, Vorsitzende AG Muffelwild